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Die Schwalben fliegen nach Afrika …

 

… da werden wir doch keine Ausnahme sein,

gleich morgen in der Fruah, gemma auf die Tour!

Das dachten wir uns im Herbst 2017, angelehnt an ein Lied von André Heller. „Gleich morgen“, das spielte es allerdings nicht bei uns. Um den Absprung überhaupt noch vor Weihnachten zu schaffen, haben wir beschlossen, eine Fähre zu buchen. Der Termin fiel auf den 9. Dezember. Eine gute Wahl, das fanden wir zumindest zum Zeitpunkt der Buchung Mitte November. Wie bei jeder Abreise, spitzte sich auch diesmal alles zu – noch extremer als sonst.

Nach den erfolgreichen Buchpräsentationen mussten wir uns noch um den Vertrieb, die Pressearbeit und die Auslieferung unseres neuesten Werkes „Inder-Kinder-Kabelbinder“ kümmern, außerdem die Buchhaltungen auf Stand bringen, den Garten und das Hausboot winterfest machen. Ich musste für den Lkw-Führerschein lernen, Peter fuhr dreimal die Woche ins Krankenhaus zur Behandlung seiner Hautprobleme, einmal die Woche zur Physiotherapeutin wegen seiner Bandscheiben-OP im Sommer und natürlich wollten wir uns noch von der Familie und Freunden verabschieden.

Als ob das nicht schon genug wäre, hat Peter noch einen Mercedes-Hauber gekauft, den er selber nach Hause fahren wollte; läppische 1.000 km von Bochum nach Niederösterreich. Leider steckten die Bremsen und so nahm Peter den Zug nach Hause und der Lkw kam mit der Spedition.

Bekanntlich schläft der Teufel nicht und so bin ich bei der Fahrprüfung durchgefallen. Grund war ein Fußgängerübergang-Verkehrszeichen, das plötzlich vor den rechten Außenspiegel gesprungen ist. Ich bin vielleicht erschrocken! Mein Lachanfall war wahrscheinlich für die Prüfungsfahrt auch nicht förderlich. Was soll’s, dann trete ich eben in einer Woche nochmals an. Abgeblitzt! Laut Gesetz darf man erst nach zwei Wochen erneut die Prüfung absolvieren. „Aber das geht nicht! Da bin ich schon unterwegs nach Marokko. Demnach brauche ich den Führerschein jetzt!“, rief ich  und schaute erwartungsvoll zum Prüfer. „Es tut mir leid, …“, begann dieser. „Ich verspreche Ihnen, ich werde die nächsten Monate nur in Marokko fahren!“, unterbrach ich ihn. Es half alles nichts. Die Fähre zu verschieben war keine Option, also musste Peter alleine losfahren. Ich trat am 7. Dezember nochmals zur Prüfung an – diesmal erfolgreich – und nahm den Nachtzug nach Italien.

Völlig erledigt, aber glücklich holte mich Peter am 8. Dezember in Savona ab, wir gönnten uns eine leckere Pizza und bemerkten erst eine halbe Stunde nachdem wir das Lokal verlassen hatten, dass Peter seine Tasche dort liegengelassen hat. Darin waren sein Pass und das Fährticket! Super! Es kommt noch besser: Die Pizzeria hatte geschlossen, als wir dort ankamen. Um es kurz zu machen: Wir bekammen die Tasche samt Inhalt und schafften es rechtzeitig auf die Fähre.

Das war vor drei Wochen, mittlerweile sind wir etwas ruhiger und entspannter geworden. Vom Sturm, Regen bis zu sommerlichen Temperaturen haben wir alles schon gehabt, wobei uns letzteres am Liebsten ist. Marokko ist ein herrliches und einfaches Reiseland. Wir erkunden die Medinas von Assilah, Rabat, Casablanca und Marrakesch, vergraben unsere Zehen im warmen Sand an der Atlantikküste (und August seine neuen Reifen), können uns gar nicht satt essen an den kulinarischen Spezialitäten Marokkos und treffen einige Freunde hier: Franz und Dani Deinbacher bringen mir quasi per Luftpost den neuen Führerschein und am Campingplatz in Marrakesch treffen wir Karl Lueger, mit dem wir nicht nur Weihnachten feiern, sondern auch zum Berbermarkt nach Ourika und zum Anima Garten von André Heller fahren.

So sehr wir die Städte und den Kulturreichtum Marokkos auch lieben, so sehr sehnen wir uns auch nach dem Land, der Natur. Lange halten wir es in den urbanen Gebieten nicht aus, wir brauchen die Weite. Und genau da sind wir nun gelandet. Zum Jahreswechsel. Es ist wunderschön hier in den Ausläufern des Hohen Atlas, und übrigens: Die Schwalben haben wir auch schon gesehen.

Wir wünschen euch für das Jahr 2018 viel Glück, denn ihr wisst ja: Das Glück ist wie ein Vogel, es kommt immer wieder zurück.