Ostafrika 2024/25

Karibuni Tanzania!

Tansania begrüßt uns mit Gewitter und Starkregen, die Wolkendecke hat den Kilimanjaro und den Mount Meru verschluckt. Wir sind gespannt, ob es bei unserem Lkw böse Überraschungen geben wird, dann so lange (8 Monate) haben wir unseren treuen Gefährten noch nie alleine gelassen. Juhuu! Die Wiedersehensfreude ist groß und alles in Ordnung.

Kleine Reparaturen und Servicearbeiten sind fällig, tanken, Lebensmittel aufstocken, Geld wechseln, Versicherung abschließen, SIM-Karte aktivieren und auf den Weihnachtsmarkt. Dann können wir Arusha verlassen.

Wir sind im touristischen Bereich Tansanias, nahe der berühmten Nationalparks Serengeti, Ngorogoro Krater, Manyara, Tarangire, Kilimanjaro. Kolonnen von Safarifahrzeugen treffen wir, aber niemand kann verstehen, warum wir diese Parks nicht besuchen. Tja, uns fehlt der Sponsor… Wir treiben uns rund um die Parks herum, besuchen das Hadzabe-Volk, die letzten Jäger und Sammler dieses Landes, gönnen uns einen Luxuscampingplatz mit Infinitypool und Blick auf den Manyarasee. Doch am liebsten sind wir eigentlich im Busch. Das ist hier nicht immer einfach, denn abgesehen von den Nationalparks gibt es viele Naturschutzgebiete, die hohe Eintrittspreise haben. Jeder will vom Kuchen ein Stück! Wir fühlen uns nicht frei beim Buschcampen, denn so genau wissen wir nicht, wo die Grenzen der Gebiete sind.

Nach der Umrundung des Kilimanjaros treffen wir uns mit Verena und Wolfi in den Usambara Bergen. Wir sind bereits zum 3. Mal hier, finden die Gegend immer noch schön. 2 ½ Wochen verbringen wir mit unseren Freunden, erkunden die Gegend auf kleinen Pfaden, genießen die Gespräche und das gute Essen (mit Verena und Wolfi immer ein Highlight).

Kenia – Müßiggang an der Küste und Abenteuer im Norden

Bis an die Küste ist es nicht weit, keine 200 km, und nach Kenia ist es nur ein Katzensprung. Wir tauschen die angenehme Bergluft gegen schwülheiße Hitze am Indischen Ozean. Jeder, wirklich jeder reisende Overlander schwärmt von der Twiga Lodge nördlich von Diani Beach. Also, nichts wie hin! Uns geht es nicht anders. August parkt am Strand unter Palmen, vor uns das Meer, Colobusaffen, Meerkatzen und Vögel in den Bäumen, Schildkrötenspuren am Strand. Zudem eine gute Brise, sodass die Temperaturen erträglich sind. Traumhaft zu schwimmen bei Flut, frischer Fisch bis vor die Haustüre geliefert und andere Reisende. Und so ziehen die Wochen ins Land…

Wir tingeln die Küste entlang nach Norden, über Kilifi und Malindi bis zur Insel Lamu. Danach durch den Tsavo East Nationalpark, der uns mit vielen Tieren und einer Reifenpanne überrascht, nach Nairobi. Chris Handschuh von der Jungle Junction kann sich noch gut an uns erinnern, vor 18 Jahren waren wir schon Gäste auf seinem Campingplatz. Und noch jemanden kennen wir in Nairobi: Thomas Riegler. Getroffen haben wir ihn erstmals in Griechenland, mittlerweile sind wir Freunde und er zeigt uns das Nachtleben der Millionenstadt. Danke, Tom! Es war interessant, lustig, aber auch anstrengend.

Von hier geht es in den wilden Norden Kenias. Wir lassen den Mount Kenia links liegen und machen uns auf den Weg Richtung Turkanasee. Wunderschön ist es hier im Samburuland, der Regen macht die Pisten allerdings anspruchsvoll. Eine Flussquerung ist unmöglich, zum Glück es gibt eine Alternativstrecke, die anfangs gut ist, doch dann fühlen wir uns wie auf einem Eislaufplatz. Wie durch ein Wunder bleiben wir nicht stecken. Und natürlich auch, weil Peter ein guter Fahrer ist 🙂 Dörfer gibt es nur wenige, eines davon ist Tuum, südlich vom Turkanasee gelegen. Die Strecke dorthin ist menschenleer, aber auch Tiere sehen wir keine. Eine seltsame Stille liegt über dem Land. Wir haben ein komisches Bauchgefühl. Anstatt im Busch zu nächtigen, fahren wir zu den Iren Steven und Angelina, die in Tuum eine Mission leiten.  Die beiden schauen uns mit großen Augen an und fragen, wo wir denn herkommen. Sie erzählen uns von einem großen Viehdiebstahl, der vor 2 ½ Wochen ganz in der Nähe stattgefunden hat. Die Samburu haben den Turkana 1.600 Rinder gestohlen, dabei kamen 50 Menschen ums Leben. Jetzt herrscht große Angst, deswegen haben wir keine Menschenseele gesehen.

Gerne möchten wir den Lake Logipi besuchen, der inmitten des heißen und trockenen Sugutatal liegt. Man sagt uns, dass es zurzeit dort sicher ist. Mit einem einheimischen Führer vom Volk der Turkana geht es los. Es ist alles andere als ein Spaziergang, Fahrer und Fahrzeug werden gefordert. Schroffes Lavagestein knabbert an den Reifen, steile Auffahrten wechseln mit tiefsandigen Passagen. Es schüttelt uns 3 gehörig durch im Führerhaus, ich hoffe, dass die AK47 gut gesichert ist. Aber es lohnt sich. Wir erblicken tausende Flamingos im See, inmitten dieser bizarren, kargen und faszinierenden Landschaft, die mit Vulkanen gespickt ist.

Am Rückweg passiert es, August bricht durch die scheinbar harte Oberfläche der Piste und versinkt bis zu den Achsen im Salzschlamm. Trotz enormer Hitze müssen wir jetzt schnell arbeiten, damit das Fahrzeug nicht noch tiefer einsinkt. Wir brauchen alles an Material, was wir haben: Sandbleche, Wagenheber, Hölzer, Steine. Körperlich sind wir an der Grenze. Nach 4 Stunden ist August befreit, was für ein Glück!

Glücklich bin ich auch Tage später als ich am Gipfel des heiligen Berges der Samburu stehe und auf den Lake Logipi hinunter blicke. Körperlich ebenfalls fordernd.

Wir lieben diese bergige, karge, dünn besiedelte Gegend, die nach Regenfällen dennoch aufblüht. Weniger ansprechend hingegen ist die Piste von Baragoi nach Maralal, extrem mühsam und mies. Wir sind sie damals schon gefahren, aber so schlecht hatten wir sie nicht in Erinnerung. Nie wieder, schwören wir uns! Zumindest hat uns der Regen auf dieser Strecke verschont, dafür öffnet der Himmel nach Maralal seine Schleusen. Dennoch wagen wir einen Abstecher in den Süden, zu Kenias Teeplantagen und Richtung Massai Mara. Wir parken auf einem Berghang mit Blick auf den Nationalpark, bekommen Besuch von Zebras, verschiedenen Antilopen, Pavianen, Giraffen, Kühen, Schafen und Hirten. Sehen in der Ebene Elefantenherden und lauschen nachts Hyänen- und Löwengebrüll. Was für ein Abschied von Kenia!

 

Unterwegs im wenig touristischen Westen Tansanias

Was für ein Empfang in Tansania! Seit langem haben wir keinen so mühsamen Grenzübertritt erlebt. Korruption hoch 2, die Zollbeamten und die vermeintlichen Zollbeamten haben es faustdick hinter den Ohren. Sie kosten uns viel Zeit und auch Nerven. Aber wie sagen wir immer so schön: „Wenn du den Grenzübertritt an einem Tag schaffst, dann warst du erfolgreich.“ Und somit können wir uns gratulieren.

Vom Viktoriasee fahren wir zum Tanganjikasee, vom größten zum tiefsten See Afrikas, von Mwanza nach Kigoma. Während uns der Viktoriasee nicht sehr beeindruckt, da das Wasser trübe ist, viel Fischfang und Landwirtschaft am Ufer betrieben wird und es dicht besiedelt ist, sind wir vom Tanganjikasee hingerissen. Der fast 700 km lange und 1.500 m tiefe See ist glasklar, von Bergen umgeben, hat eine faszinierende Unterwasserwelt, man kann darin schwimmen und es gibt noch Regenwälder mit Schimpansen in 2 Nationalparks. Was es noch gibt, sind viele Flüchtlinge aus Burundi und dem Kongo.

Schon immer sind wir von Jane Goodall begeistert gewesen. Wir möchten unbedingt ihre Forschungsstation im Gombe Stream Nationalpark besuchen. Nach einer zweistündigen Bootsfahrt machen wir uns im Regen mit einem Ranger auf die Suche nach einer Schimpansengruppe, die wir bald gefunden haben. Die Großfamilie döst faul in den Bäumen, lässt sich durch uns nicht stören. Plötzlich ein schriller Schrei aus der Ferne. Schlagartig klettern die Affen herunter, wir sind mitten unter ihnen. Wir verfolgen die Tiere quer durch den Wald und werden Zeuge eines grausamen Schauspiels: Das Alphamännchen hat einen roten Colobusaffen getötet, der nun gemeinsam verspeist wird. Eine Seltenheit und ein großes Glück, dass wir zu rechten Zeit hier waren.

Der Westen Tansanias ist wunderschön und nicht sehr touristisch. Jetzt im Mai, wo die Regenzeit langsam zu Ende geht, treffen wir fast niemanden. Durch den Katavi Nationalpark, wo wir aufgrund der Jahreszeit wenige Tiere sehen, geht es nach Süden. Noch ein kurzer Abstecher zum Tanganjikasee, ein letzter Einkaufsstopp in der sympathischen Stadt Sumbawanga und dann auf Pisten zur sambischen Grenze. Gut, dass wir ein bisschen Kisuaheli gelernt haben, denn Englisch spricht in dieser Region fast niemand.

Kwaheri na asante sana Tanzania!

Too much hot!

Mit der Ankunft auf der Lunji Kaffeefarm sind wir im Paradies gelandet. Wir parken im Garten umgeben von Blumen, Rosen, Obstbäumen, Kräutern und Blick auf den Mt. Mbeya – wenn es gerade nicht regnet. Es gibt einen Gemüsegarten, aus dem wir uns bedienen dürfen und wir haben Familienanschluss. Der Besitzer, Clemens, stammt aus Bayern, ist schon ewig in Tansania und besucht uns täglich. Sein Sohn, Paul, der in Deutschland Agrarwissenschaft studiert hat, zeigt uns die Farm. Er ist leidenschaftlicher Landwirt und Kaffeeröster, hat gute Ideen und noch besseren Kaffee. 

Der Regen lässt uns früher abreisen und schon bald hat uns die Hitze wieder. An der Küste kommt die hohe Luftfeuchtigkeit dazu. Unser Lieblingsplatz vor 17 Jahren war das Sunrise Beach Resort südlich von Daressalam. Dort angekommen trauen wir unseren Augen nicht. Wir erblicken einen großen Hotelkomplex, einen schmutzigen Strand und eine verbaute Küste mit vielen Menschen. Manchmal ist es nicht klug, einen Ort ein weiteres Mal zu besuchen. Vor allem dann nicht, wenn man sehr gute Erinnerungen hat. Die Zeit bleibt nicht stehen, alles verändert sich. So ist das Leben.

 

Wir wagen einen erneuten Versuch: Sansibar. Wir haben Karten für das Musikfestival „Sauti za Busara“ in Stonetown. Schon die Überfahrt ist ein kleines Abenteuer, denn wir fahren mit einem kleinen Boot, das normalerweise nur Einheimische befördert. Gerne können wir mitfahren – um den doppelten Preis… Das kennen wir schon, ab der Einreise in Tansania kommen wir uns vor wie eine Melkkuh. Muzungu give! Gebt uns etwas, ihr Weißen! Verhandeln, Geschick, Ausdauer und Glück sind gefragt. Als wir an der Nordwestspitze der Insel anlanden, bleibt uns der Mund offen: Sonnenhungrige Touristen soweit das Auge reicht. Wie die Sardinen am Strand auf Liegen in knapper Badebekleidung mit Cocktails in der Hand. Ja, wie gesagt, die Zeit bleibt nicht stehen. Der Strand ist nach wie vor paradiesisch, aber wir halten den Rummel nicht aus.

Peter war noch nie ein Backpacker, im Alter wird es nicht besser. Tapfer fährt er mit diversen afrikanischen Verkehrsmitteln und steigt in abgewohnten, dafür überteuerten Unterkünften ab. Aber ich merke schon, wie sein Blutdruck steigt. Das Muskifestival im alten Fort von Stonetown gefällt uns sehr gut, auch wenn uns der Höhepunkt am letzten Tag, Mádé Kuti, enttäuscht. 3 Tage, 3 Bühnen und 25 Bands aus Afrika. Schönes Ambiente, tolle Stimmung, vielfältige Musik, lange Tage und Nächte. Ich habe eine neue Lieblingssängerin: Sibu Manai aus La Reunion. Und ein neues Lieblingslokal: Lukmaan. Gerichte aus Sansibar, eine Mischung aus arabischer, indischer und afrikanischer Küche. Wir genießen das feudale Abendmahl, beobachten das Treiben. Schauen uns in die Augen und wissen, dass wir beide dasselbe denken. Die Zeit ist reif, wir möchten die Insel verlassen.

Nach einer Woche sind wir wieder am Festland und froh, bei unserem Lkw zu sein. Auch wenn es über 40 °C im Inneren hat und im linken Hinterreifen die Luft fehlt. Samwell begrüßt uns mit breitem Grinsen, er freut sich wirklich uns wiederzusehen. „Wie ist es euch ergangen, wie ist Sansibar??“, fragt er neugierig. Wir erzählen, zeigen Fotos. Für den lieben Tansanier ist es wie eine Reise in eine andere Welt. „Und, wie geht es dir? Was war los?“, möchten wir nun wissen. „It was rather quiet, but too much hot!“, entgegnet uns Samwell mit Schweißperlen auf der Stirn.

Langsam tingeln wir nach Norden, der Küste entlang. Alles ist langsam, gemächlich. Macht auch Sinn bei diesen hohen Temperaturen. Die Stadt Tanga gefällt uns, morbider Kolonialcharme. Deutsche und englische Einflüsse, dazu eine große indische Bevölkerung. Das bedeutet auch gute Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten.

Zwei Tage später sind wir in einer anderen Welt. Berge, Wälder und Temperaturen unter 30 °C. Wir lieben die Usambara Berge! Atmen auf, erholen uns, bewegen uns viel und sind entzückt von den zahlreichen Chamäleons rund um uns. Und wir treffen Joseph. 2007 war er ein Teenager, der uns seine Heimat zeigte. Jetzt ist er Familienvater, Wanderführer und immer noch sehr sympathisch.

Der nächste Berg, den wir erblicken, ist der höchste Afrikas. Majestätisch präsentiert er sich uns mit schneebedeckten Gipfeln und blauem Himmel. Dennoch ist der Kilimanjaro für uns unerreichbar. Der Massentourismus und die damit verbundenen Preise haben ihn für uns uninteressant gemacht. Genauso wie die Nationalparks. Selbst für Naturschutzgebiete muss man tief in die Tasche greifen. Jeder möchte ein Stück vom Kuchen. Wir recherchieren, studieren unzählige Karten und beschließen, Richtung Natronsee zu fahren. Allerdings nicht auf der Hauptroute, sondern von der Maschekseite, also hinten herum. Welch grandiose Idee! Es folgen 1 ½ Wochen ganz nach unserem Geschmack. Keine Touristen, keine Infrastruktur, teilweise auch keine erkennbaren Pisten. Zudem Ausblicke auf Vulkankegel und den heiligen Berg der Massai, Ol Doinyo Lengai. Ursprüngliche Dörfer, täglich interessante Besuche von Hirten und endlich wieder wilde Tiere. Die heißen Nachmittage verbringen wir im Schatten von Bäumen und beobachten die Tierwelt. Sogar Gerenuks (Giraffengazellen) und Löffelhunde entdecken wir. Nachts weckt uns das Geschrei der Hyänen, vor dem Sonnenaufgang ein fulminantes Vogelkonzert.

Wir sind glücklich. Auch darüber, in Arusha einen guten Platz für August gefunden zu haben. Im November werden wir wiederkommen und die Reise fortsetzen. Wohin? Gute Frage, wir wissen es noch nicht. Aber es bleibt noch genug Zeit darüber nachzudenken. Und hoffentlich hat Peter bis dahin seine leichte Afrikamüdigkeit verloren, ist wieder bereit für den unvergleichlichen Humor, die kreativen Lösungsansätze und endlosen Feilschereien der Menschen.

Willkommen zurück in Afrika – Herbst 2023

 Überraschungen in Namibia

 

Wir haben August 4 ½ Monate alleine gelassen. Nachdem wir keine Nachrichten aus Namibia erhalten haben, gehen wir davon aus, dass alles in Ordnung ist. Christina holt uns vom Flughafen ab und erzählt uns, dass Treibstoff ab Mitternacht teurer wird. Es ist ja erst 16:30 Uhr, das geht sich aus und dann könnten wir gleich noch im Supermarkt einkaufen.

August steht verstaubt in der Halle und springt am ersten Drücker an. Super! Unsere Freude währt nur kurz, denn unser Lkw bewegt sich keinen Zentimeter. Peter legt diverse Gänge ein, seine Augen werden immer größer. Beim Rundgang sehen wir, dass August hinten rechts aufgebockt ist. Der Reifen ist platt. Die Reservereifen sind unerreichbar, weil wir knapp an der Hallenwand parken. Um es kurz zu machen: Reifen aufpumpen, während ich mit dem Daumen das Loch zuhalte, mit Vollgas auf den Campingplatz. Zack! Unter eine Akazie, leichter Flurschaden. Wagenheber drunter, Äste beseitigen, August entstauben, Gepäck grob verstauen, duschen und ab ins Restaurant. Bier, Wein, Steak. 11 Stunden schlafen. Alles wieder einmal anders als gedacht.

Wir haben nur 2 ½ Wochen Zeit in Namibia, müssen aus zolltechnischen Gründen das Land verlassen. Zielstrebig fahren wir in den Caprivi-Zipfel zu den Nationalparks. Herrlich! Genau deswegen sind wir hier. Inmitten der Natur und der Tiere. Zwei Überraschungen warten auf uns. Heidi und Paolo, ein witziges Paar aus Österreich und Brasilien, mit dem wir uns sehr gut verstehen. Und schon wieder ein Reifenschaden! Peter ist ziemlich schnell beim Reifenwechsel im Nationalpark, es könnte ja durchaus sein, dass neugierige Säugetiere vorbeikommen …

 Sambia – Gimme sweet!

 

Das hören wir, wenn wir durch sambische Dörfer fahren und uns Kinderhorden begrüßen. Sie sind aber harmlos, lassen sich sehr leicht ablenken. Wir finden sie süß! Mir hingegen ist überhaupt nicht nach Süßigkeiten, bei dieser Hitze vergeht mir der Appetit. Die Temperaturen in den Niederungen klettern täglich auf über 40 °C, die Nächte schaffen es kaum unter 30 °C. So ist es eben zur heißesten Jahreszeit, bevor der Regen kommt. Doch die Natur entschädigt für vieles, wir mögen das Ungezähmte, Wilde, Ungeregelte. Wo man für alles selbst verantwortlich ist, Konsequenzen tragen muss und Entscheidungen treffen. Wo man vieles noch tun kann und darf. Auch wenn es oft mühsam und anstrengend ist.

Wie zum Beispiel Äste entfernen und Bäume schneiden, wenn August wieder mal auf den Pisten im Nationalpark nicht durchpasst. Da kann es schon passieren, dass Peter zu Mittag im Schweiße seines Angesichts flucht und schimpft und mir an den Kopf wirft, dass ihm diese Parks bald gestohlen bleiben können (das habe ich sehr milde formuliert …).

Zu unserer großen Freude treffen wir endlich wieder mal richtige Overlander, also Reisende, die länger mit eigenem Fahrzeug unterwegs sind. Karin und Ed aus den Niederlanden sind seit Jahrzehnten immer wieder in Afrika unterwegs und haben viele Tipps für uns. Oder Felix und Petru aus Deutschland und Südafrika, die 1 Jahr lang Auszeit haben und mit ihrem Landy mit Dachzelt reisen. Es tut gut, sich mal so richtig austauschen zu können.

Die ersten Gewitter bringen etwas Abkühlung, aber auch schlammige Pisten. Black cotton soil nennt sich die Erde rund um den South Luangwa Nationalpark. Extrem klebrig und rutschig. Wir haben echt Glück gehabt, nicht stecken zu bleiben.

Malawi – Kleines Land, großes Herz

Der Regen begleitet uns bis nach Malawi. Wir wollen das Land von Süden her aufrollen, haben keine Vorstellungen oder Erwartungen. Was uns sofort auffällt, ist die dichte Besiedelung. Dort, wo keine Hütten stehen, sind Felder: Die Malawier sind fleißige Menschen, nutzen jedes Fleckchen Erde, um Ackerbau zu betreiben. Kurz nach unserer Einreise wird die Währung (Kwacha) um 44 % entwertet. Eine Katastrophe für die ohnehin schon armen Menschen. Es gibt Proteste und Demonstrationen, die aber nichts bewirken. Die Malawier sind sanfte, friedliebende Leute, die viel ertragen. Daher auch der passende Name für das Land: the warm heart of Africa. Wir mögen die Malawier, bewundern ihren Optimismus und genießen die Gespräche mit ihnen.

Ich kann Peter zum Besuch des Liwonde Nationalparks überreden. Wir sind beide begeistert, landschaftlich wunderschön am Shiree-Fluss gelegen mit großen Weideflächen und Blick auf die Berge im Süden. Der Tierbestand hat sich seit der Wilderei ab ca. 2010 gut erholt. Elefanten mussten sogar schon umgesiedelt werden. Büffel, Antilopen, Flusspferde und Krokodile sind zahlreich, aber auch Löwen sehen wir jeden Tag und abends besuchen uns Elefanten im Camp.

Die Berge ziehen uns magisch an. Die Gegend um das Mulanje-Massiv ist traumhaft. Teeplantagen im satten Grün, orangerote fruchtbare Erde, Bananen, Ananas, Mangos, Lychees und viel Gemüse. Wir machen Urlaub. Peter am Fuße der Berge, ich oben am Plateau. Vier Tage wandere ich mit Führer von Hütte zu Hütte, freue mich über kühlere Temperaturen und die menschenleere Gegend und plansche in kalten Gebirgsbächen. Schnaufe beim Erklimmen der Gipfel und genieße den Ausblick bis in die Ebenen nach Mosambik, wo man auch noch die Schäden von Zyklon Freddie sieht.

Cape McLear ist ein wunderbarer Platz am Malawisee. August passt auf den Zentimeter genau durch die engen Gassen im Dorf und durch den Torbogen beim Eagles Nest. Auch für Franz Steindl, der am nächsten Tag ankommt, ist noch Platz. Das Schwimmen im glasklaren Wasser ist herrlich und am Morgen sogar noch ein bisschen erfrischend. Fischschwärme tummeln sich im ufernahen Bereich, denn hier ist Angeln verboten. Von den einheimischen Fischern kaufen wir Kampango, eine Wels Art. Schmeckt köstlich und ist so groß, dass wir zu dritt zwei Tage lang zu essen haben.

Bis auf einen kurzen Abstecher nach Muzuzu und Livingstonia bleiben wir die nächsten Wochen am See. Unser letzter Stopp ist in Chitimba bei Carmen und Edi. Die beiden Niederländer haben das Camp 2007 gekauft, wir waren damals unter den ersten Gästen. Auch hier ist die Zeit nicht stehen geblieben, wir erkennen die Anlage kaum wieder. Wir haben einen guten Draht zu den beiden, sie erzählen uns viele Geschichten aus den letzten zwei Jahrzehnten. Plötzlich lacht Edi, zeigt auf eine junge Reisegruppe und fragt, ob uns etwas auffällt. Edi stellt seit einigen Jahren fest, dass das wichtigste beim Reisen das Smartphone ist. Und Wifi natürlich. Soeben ist wieder einmal der Strom ausgefallen und somit gibt es kein Internet. Und siehe da, die Menschen sprechen wieder miteinander! Der Niederländer ist „master of comunication“, solange bis er den Generator startet.

Der Abschied von Malawi passt so gar nicht zu unserem 3-monatigen Aufenthalt. Ein Kilometer vor der Grenze möchte ein korrupter Polizist Geld, weil wir nicht die richtige Haftpflichtversicherung hätten. Viel Geld. $ 1.000. Für uns ist klar, wir bezahlen keinen Cent. Der unsympathische Beamte zieht sein gesamtes Register: Formulare mit diversen Paragrafen, fingierte Telefongespräche, Androhung von Verhaftung und dass wir die Nacht an der Grenze bleiben müssen. Darauf meint Peter: „Kein Problem. Jetzt waren wir schon so lange in Malawi, da kommt es auf einen weiteren Tag auch nicht an.“ Und somit dürfen wir nach zwei Stunden fahren. Gut, dass der Polizist unsere Pässe nicht kontrolliert hat, denn unsere Visa sind nur mehr einen Tag gültig.

Tanz unter Sternen

Warum wir wieder nach Südafrika einreisen, ist leicht erklärt: Wir wollen das AfrikaBurn-Festival besuchen. Bis zum Beginn haben wir sieben Wochen Zeit. An der Küste fahren wir Richtung Süden. Die Landschaft ist karg, der Atlantik rau und die Pisten auch. Das erste Federblatt auf dieser Reise bricht. Kein Problem, wir haben Ersatz dabei und außerdem ein Schweißgerät, mit dem Peter die Laschen repariert. 
Nachdem wir das Diamantensperrgebiet verlassen haben, beginnen die Zäune bzw. die Farmen. Nicht einfach einen Nächtigungsplatz zu finden. Anstatt gemütlich Richtung Weingebiete zu tingeln, müssen wir Gas geben. Das Zolldokument für unseren Lkw wurde an der Grenze nicht gestempelt, wir könnten dies in Kapstadt nachholen. Die Beamten sind ziemlich genau, doch nach ein paar Stunden ist alles geklärt und wir wieder frei!

Wir bleiben in Kapstadt, besuchen das Zeitz-Museum, beobachten Delfine lungern an der Waterfront herum und versuchen zum 100sten Mal Karten für das AfrikaBurn-Festival zu bekommen und scheitern erneut. Frustriert verlassen wir Kapstadt und lenken uns am Nachtmarkt im Weingut Boschendale ab, was uns bei Livemusik und ausreichend Wein sehr gut gelingt. 
Zwei Wochen bleiben wir in der Weingegend rund um Paarl, Franschhoek, Stellenbosch und Sommerset West. Wirklich schön, sehr europäisch anmutend, sehr grün, da es in letzter Zeit viel geregnet hat. Dennoch besuchen wir einige Weingüter mit dem Rad, aber auch zu Fuß, treffen Verena und Wolfi und schaffen es endlich, Karten für das Festival zu bekommen. Halleluja!

In Bettys Bay an der Südküste machen wir Halt bei der Pinguinkolonie. Die Tiere sind wirklich überall, selbst am Parkplatz muss man aufpassen, dass man sie nicht überfährt oder auf ihre Nester tritt. Wir treffen aber noch jemand am Parkplatz: Guy und Marleen, ein belgisches Pärchen, das wir zuletzt in Mali 2009 getroffen hatten. Das gibt es doch nicht! Die beiden haben sich hier niedergelassen, wir übersiedeln gleich zu ihnen. Die Freude ist groß, der Gesprächsstoff auch. 
Dann steht Ostern vor der Tür, die Südafrikaner haben Ferien. Die Campingplätze an der Küste sind alle ausgebucht, zwei Nächte ergattern wir bei Hermanus. Wir sind gar nicht böse, weiterfahren zu müssen. Es herrscht großer Trubel, viel Kindergeschrei und die Fahrzeuge parken dicht an dicht. Es gibt genügend andere Parkplätze, die Gegend ist relativ sicher. Dennoch versucht man eines Nachts, unsere Fahrräder, die am Lkw hoch oben angebracht sind, zu stehlen. Vergeblich, denn wir werden munter, und die Diebe laufen davon. Jetzt haben wir einen Schalter im Bett, mit dem wir nun das Rückfahrsignal aktivieren können.

Wir kehren dem Atlantik den Rücken, steuern nach Norden. Zwischen Robertson und Montagu entdecken wir ein paar wunderschöne Weingüter, wo man auch toll wandern kann. Auch sind es die letzten Versorgungsstationen, bevor wir auf das Festival in der Karoo fahren. Eine Woche dauert das Kunstfest, das immer mehr Richtung Musikfest geht. Das haben wir gehört. Was wissen wir noch? Dass es an das Burning-Man-Festival in Nevada angelehnt ist, dass es außer Eiswürfel nichts zu kaufen gibt, dass eine Kultur des Gebens herrscht, dass man bei allen Aktivitäten teilnehmen kann, dass es eine große Party ist und der Höhepunkt im Verbrennen der Monumente besteht. Wir sind sehr gespannt.

Als erstmalige Besucher – virgins ­– werden wir herzlichst begrüßt, umarmt und gleich mal gebeten, uns am Boden zu rollen. Somit sind wir herrlich staubig, was aber ohnehin in den nächsten Tagen passiert wäre. Wir parken in der „quiet zone“, aber ruhig ist es nirgends. Man kommt aber auch nicht hierher, um sich zu entspannen …  Das Gelände ist riesig, trotz unserer Fahrräder schaffen wir es in acht Tagen nicht, das ganze Gebiet zu erkunden. Die Tage sind heiß, die Nächte kalt. Wüste eben. Am Morgen gehe ich zum Yoga, frühstücke mit Peter und dann schwirren wir aus. Es gibt so viel zu sehen, zu erleben, interessante Leute kennenzulernen, zu tanzen, zu genießen, zu diskutieren und zu lernen. Das AfrikaBurn ist ein Ort der intensiven Selbstdarstellung, eine sichere Plattform. Jeder kann sein, was und wer er will. Die Atmosphäre ist sehr positiv, die Stimmung ausgelassen, keine Aggressionen. Gefeiert werden die Kunst, die Selbstverwirklichung und das Leben. Und das mitten in der Wüste, weit weg von der Zivilisation unter einem fantastischen Sternenhimmel.

Das Thema heuer lautet SPACE, doch eigentlich ist es egal. Rund 12.000 Besucher sind dieses Jahr gekommen, es gibt Themencamps, Kunstwerke, mobile DJs, Mutanten Fahrzeuge, Workshops, Kabarett, Diskussionsrunden und viele schräge Installationen. Jeder ist aufgefordert mitzumachen, das macht das Festival so besonders. Egal, ob als Künstler, freiwilliger Helfer oder durch spontane Aktionen. Manche Burner haben sich für jeden Tag ein anderes Kostüm ausgedacht. Manchmal aufwendig, manchmal minimalistisch. Immer ausgefallen. Gerne zeigt man viel Haut, gepaart mit Netz und Spitze und Glitter. Wir haben auch ein bisschen eingekauft, doch wegen des starken Windes lassen wir es sein und ziehen uns nur lustig und bunt an. Die schönste Stimmung herrscht am Abend, wenn die Sonne und die Temperaturen langsam sinken, das Licht weich wird. Dann schlendern wir zu Little Paris, wo jeden Tag Champagner ausgeschenkt wird. Die Luft bebt bereits von der Musik, die in den Themencamps und auch von den mobilen DJs gespielt wird, die sich zwischen den Kunstwerken bewegen. Die Musik ist zwar nicht nach unserem Geschmack, in erster Linie wird Electronic gespielt: House und Techno, doch irgendwie kippen wir hinein. Nun ja, zumindest ich.
Die Nächte sind kurz, den Schlaf finden wir nur mithilfe von Ohrstöpsel. Nach dieser Woche sind wir einerseits müde, andererseits inspiriert. Irgendwie schweben wir noch auf dieser speziellen Wolke, die die Gemeinschaft der Burners möglich gemacht hat. Wir haben neue Freunde gefunden und alte wiedergetroffen, sind beschenkt worden, haben gegeben, haben vieles ausprobiert und sind dadurch ein Teil des Festivals geworden. Mit rauschenden Ohren reisen wir ab, lassen unseren Gedanken freien Lauf und sind uns einig, dass wir wieder kommen werden.

Jetzt haben wir einen straffen Zeitplan, denn wir fliegen nach Österreich. Allerdings nicht von Südafrika, sondern von Namibia. Rund 1.400 km liegen bis Windhoek vor uns, die wir in fünf Tagen bewältigen. Wir verschenken die letzten Lebensmittel, packen unsere Rucksäcke und parken August in einer Halle, wo er in guter Gesellschaft ist. Viele andere Fahrzeuge stehen hier, manche davon schon länger, wie wir an der Staubschicht erkennen. Irgendwie ein eigenartiges Gefühl, unser Fahrzeug einfach zurückzulassen. Aber zum Grübeln haben wir ohnehin nicht viel Zeit, wir müssen zum Flughafen. 20 Stunden später sind wir zu Hause. Auch irgendwie eigenartig, so schnell aus Afrika herausgerissen zu werden und in eine andere Welt ausgespuckt zu werden. Aber trotzdem schön und gerade jetzt im Mai so wunderbar grün! August muss bis Oktober auf uns warten, dann setzen wir unsere Reise fort. Hurra!

3 Monate Namibia? Das geht gar nicht!

Der Caprivi-Zipfel, ein schmaler Streifen zwischen Angola und Zamibia im Norden und Botswana im Süden. Große Flüsse säumen ihn: Der Okavango, der Kwando und im äußersten Osten der Zambesi. Dank der Nationalparks Heimat vieler Tiere. Hier sind wir genau richtig! Auch die Preise sind ein Traum im Vergleich zu Botswana.

Vom Mudumu Nationalpark in den BwaBwata, Buffalo Core und in den Mahango! Erlebnisreiche, lange, heiße Tage und geräuschvolle, kurze Nächte. Inmitten der Natur und Tiere sind wir glücklich, am liebsten sind uns jene Camps, die nichts bieten, außer schattenspendenden Bäumen und vielen Tieren. Zäune gibt es ohnehin nicht. Geweckt werden von Vogelgezwitscher und dem Grunzen der Flusspferde, noch bevor die Sonne aufgeht. Beim Frühstück beobachten wir Antilopen, Elefanten, Giraffen und Büffel. Das Fernglas stets bei der Hand. Der heisere Schrei des Seeadlers erklingt, einfach paradiesisch für uns. Abends lauschen wir dem Geplapper von Pavianen, Löwengebrüll und dem Schrei von Hyänen. Das Glück ist uns hold, wir entdecken einen Leoparden, der gerade genüsslich einen Wasserbock verzehrt. Eine Schönheit! Ewig könnte ich in den Parks bleiben, aber Peter braucht eine Pause. 

Im Ndurukoro Camp am Okavango treffen wir Verena und Wolfi. Wir haben viel Gesprächsstoff, immerhin haben wir sie zuletzt in Zimbabwe vor mehr als zwei Monaten gesehen. Außerdem feiern wir unsere Geburtstage nach. Unsere Freunde haben sich kulinarisch wieder einmal übertroffen! Vielen Dank!

Nach zehn Tagen habe ich es geschafft: Peter willigt ein, den Khaudom Nationalpark zu besuchen, der als der wildeste gilt, mit tiefsandigen Pisten, entlegen und teilweise dichter Vegetation, die am Fahrzeug kratzt. Der Park grenzt an Botswana, hier ist Buschmannsland, die Heimat der San. Wir besuchen ein traditionelles Dorf und machen eine Buschwanderung. Lange arbeiten die San schon mit Touristen, trotzdem spüren wir ihre Leidenschaft und Freude beim Näherbringen ihrer traditionellen Lebensweise. Wir verbringen einen lehrreichen und unterhaltsamen Vormittag mit !Tsaui und Anna, die ins Englische übersetzt. 

Gemeinsam mit Manuela und Franz erkunden wir das Kaokoveld, die Heimat der Himbas im Nordwesten Namibias. Ein weiter, wilder und einsamer Landstrich voll magischer Schönheit und einzigartiger Menschen. Fahrzeuge und Besatzung sind gefordert, anspruchsvolle Pisten und einige Pässe gilt es zu überwinden. Wir haben das Glück, Wüstenelefanten zu entdecken, sehen Bergzebras, Giraffen, Oryxantilopen und viele Springböcke. In einer Nacht haben wir Besuch von einer Löwin. Und an manchen Tagen statten uns die Himbas einen Besuch ab, sehr nette und humorvolle Menschen.

Mit Manuela und Franz feiern wir Weihnachten in Epupa Falls mit Blick auf Angola. Das Christkind bringt mir ein besonderes Geschenk in diesem Jahr: einen Hexenschuss. Und so dürfen wir länger hier bleiben. Die Hitze hat uns fest im Griff; ich weiß gar nicht, wie oft ich schon sagte: „Jetzt haben wir das Schlimmste hinter uns, es kühlt ab!“ Am nächsten Tag werden wir wieder eines Besseren belehrt. Erst als wir an der Atlantikküste landen, können wir aufatmen. Grund zur Freude ist auch, dass wir es schaffen, unsere Visa zu verlängern. Jetzt dürfen wir 5 Monate bleiben!

Je weiter wir in den Süden kommen, umso mehr Farmen und Zäune gibt es, umso weniger Menschen, dafür umso mehr Weiße. Welch ein riesiges Land Namibia doch ist und trotzdem kann man sich aufgrund der Farmen bzw. Zäune nicht frei bewegen.

Kulturschock in Swakopmund! Deutsche Architektur anno 1900, deutsche Kulinarik, deutsche Gesinnung und Urlaubsort für viele Namibier. Etwas abgeschwächter in Lüderitz, wo wir sehr interessante Leute kennenlernen: Diamantentaucher, Vogelbeobachter, portugiesische Restaurantbesitzer. Fasziniert sind wir von Kolmannskuppe, einer Minen-Geisterstadt, die bis 1953 besiedelt war und wo Unmengen von Diamanten gefunden wurden. Seitdem holt sich die Wüste den Ort zurück. Der morbide Charme fasziniert uns.

Seit Wochen sind wir in ariden oder semiariden Gegenden unterwegs: Karg, heiß, die Farben Gelb und Braun dominieren. Ich sage zu Peter: „Ich vermisse die Vegetation, das Grüne!“ Als wir Richtung Oranjemund fahren, erfüllt sich mein Wunsch. Zuerst das grüne Band entlang des Oranje-Flusses und danach Parkanlagen, wo Springböcken und Oryxantilopen grasen. Eine Wohltat fürs Auge, Balsam fürs Gemüt. Wir sitzen fest im Sperrgebiet. Die Straße, von der wir gekommen sind, ist aufgrund des Hochwassers gesperrt. Wir wollen aber ohnehin nach Südafrika über die Brücke nach Alexander Bay. Noch ist die Brücke passierbar, aber der Pegel soll noch steigen… Ein paar Tage müssen wir bleiben, denn es stehen Reparaturen am August an: Die Wasserpumpe muss getauscht und ein Reifen auf der Felge gedreht werden. Mittlerweile kennen wir viele Einheimische, die uns nicht nur in die Geschichte der Diamantenminenstadt einweihen (erst seit 2018 für die Öffentlichkeit zugänglich), sondern uns auch zum traditionellen Grill (Braai) einladen. Und so feiern wir mit ihnen, stoßen auf unsere Zeit in Namibia an, die wir wirklich genossen haben.

I’m fine!

Als wir vor 14 Jahren im südlichen Afrika waren, haben uns fast alle Leute abgeraten, nach Zimbabwe zu fahren. Und so haben wir uns damals mit einem Tagesausflug nach Victoria Falls zufrieden gegeben. Umso froher sind wir nun, dieses Land etwas länger zu bereisen. Es vergeht kein Tag, an dem uns die Menschen hier nicht begeistern und verzaubern. Egal in welcher Region, wir haben nur positive Begegnungen gehabt. Auch wenn das Leben hier für die meisten alles andere als einfach ist, so sind die Leute dennoch optimistisch und verlieren nicht ihren speziellen Humor. Sie sind einfach liebenswert. 

Aber was wussten wir eigentlich vor der Einreise von Zimbabwe? Dass es einst eine britische Kolonie namens Rhodesien war und der Brotkorb von Afrika, dass es unter dem Mugabe-Regime Landenteignungen gab und Repressionen gegen die Bevölkerung. Dass die Korruption groß und die Inflation noch größer ist. Dass das Land wirtschaftlich darnieder liegt und ein Großteil der Einwohner unter der Armutsgrenze lebt, obwohl es viele Bodenschätze gibt, die Böden fruchtbar sind und das touristische Potenzial vorhanden ist. Arm in einem reichen Land, das sind die meisten der 15 Millionen Zimbabwer. Da sind zum Beispiel:

Chipo. Die junge Frau wohnt mit ihrem Mann und zwei Kindern in einer einfachen Hütte. Sie kümmert sich um ihre Kinder, das Haus, einen kleinen Gemüsegarten, dessen Überschuss verkauft wird. Ihr Gatte verkauft Parfum im ganzen Land, das Geschäft bringt nicht sehr viel Geld ein, aber besser als gar nichts.

Oder GP. Die 73-jährige Frau arbeitet alleine am Feld, sie erntet Zuckerbohnen. Ihr Mann ist zwar jünger, aber kränklich. Die Kinder sind in ganz Zimbabwe verteilt. Also muss sie die Arbeit alleine leisten. Die Ernte ist gut dieses Jahr, sie kann einen Teil verkaufen. Als nächstes möchte sie gleich Mais anpflanzen. Aber vorher braucht sie eine Pause, muss sich ein bisschen erholen.

Oder Malcom. Er arbeitet als Traktorfahrer und Mechaniker auf einer Milchfarm, hat 3 eigene Kinder und zusätzlich 2 von seinem Bruder, der verstorben ist. Er muss für alle Kinder Schulgeld bezahlen, Schulmaterialien und Uniformen kaufen. Bei seinem geringen Verdienst wird das Geld jeden Monat knapp.

Viele Menschen fragen uns um Arbeit, sie sind motiviert, wollen arbeiten, aber es gibt wenige Jobs. Wer kann, wandert aus. Wir treffen aber auch viele weiße Zims, die enteignet wurden und von einem Tag auf den anderen vor dem Nichts standen. Manche mussten mit über 60 Jahren nochmals von vorne beginnen, da ihnen die Lebensgrundlage entzogen wurde und sie auch keine Pension bekommen. Ich ziehe meinen Hut vor all diesen Menschen, bewundere ihren Mut, ihre Energie, ihr positives Denken, ihr Durchhaltevermögen, ihr Verantwortungsbewusstsein, ihre Charakterstärke. Viel kann man von ihnen lernen.

Für uns ist Zimbabwe ein Paradies, wir haben viel Kontakt zu den Einheimischen, weil wir auch meistens buschcampen. Die Menschen sind freundlich und sehr diskret. Sie winken von der Ferne, rufen „How are you?“, manche kommen näher und sagen mit einem breiten Lächeln: „I’ve just come to greet you!“. Andere fragen, ob wir etwas brauchen oder ob wir eine gute Nacht verbracht hätten. Keine Belagerungen, keine Bettelei. Ein Händedruck, ein Lächeln und ein Foto. Das ist alles.

Von der Stadt Bulawayo, die uns von Anfang an gefällt und durch ihre großen Gärten besticht, führt uns der Weg in den Matobo Nationalpark und durch eine wunderschöne Landschaft mit Granitfelsen Richtung Osten. Bei Great Zimbabwe, der ältesten Ruinenstadt im südlichen Afrika, treffen wir wieder Verena und Wolfi. Die beiden haben eine sehr ähnliche Reiseroute, folglich reisen wir gemeinsam weiter. Zusammen erkunden wir die Eastern Highlands, mit den Fahrzeugen und zu Fuß. Eine traumhafte Bergkulisse an der Grenze zu Mosambik mit fruchtbaren Tälern, Teefeldern, ausgedehnten Wäldern und kühlen, klaren Flüssen. Bananen werden das ganze Jahr über geerntet, Avocados und Macademianüsse sind gerade reif. Ebenso Kartoffel, Süßkartoffel, Maniok, Karotten, Tomaten, Zitronen und Orangen.

Weil ich gerade vom Essen schreibe, Verena und Wolfi sind richtige Gourmets, kochen gerne und viel, sind experimentierfreudig. Unsere gusseisernen Kochtöpfe sind im Dauereinsatz, Brot, Pizza und Eintöpfe zaubern wir darin. Peter entpuppt sich als brillanter Chapati-Koch (Fladenbrote). Auf den Märkten erstehen wir nicht nur frisches Obst und Gemüse, sondern auch Spezialitäten des Landes: Mopaneraupen, geröstete kleine Käfer und sogar frittierte Vögel. Es ist ein Wunder, dass wir nicht zunehmen. Vielleicht ist das Geheimnis die regelmäßige Bewegung. Jeden Morgen gehe ich mit unseren Freunden flott spazieren, erst danach gibt es Frühstück. Mit kurzen Unterbrechungen sind wir mit unseren Freunden fast 2 ½ Monate unterwegs. Es war wunderbar mit ihnen.

In Kariba verlängern wir unsere Visa zum 3. Mal wieder ohne Probleme. Was allerdings ein Problem für uns ist, ist die hohe Temperatur im Sambesital und die vielen Moskitos. Ein Albtraum! Der Winter ist nun endgültig vorbei, wir packen die Daunendecken weg. Die Trockenzeit hat jedoch einen großen Vorteil in den Nationalparks: Man sieht die Tiere besser. Im Mana Pools Nationalpark parken wir direkt am Fluss, täglich spazieren Elefanten an uns vorbei, Löwen laufen durchs Camp, Hippos grunzen im Wasser, Affenhorden ziehen plündernd herum und Antilopenherden beäugen uns scheu. Mit einem Ranger gehen wir durch den Park, kommen hautnah an Elefanten heran, beobachten aus der Nähe Büffel- und Antilopenherden, Krokodile und Warane, haben Glück, dass ein vorbeigaloppierendes Flusspferd einen anderen Weg einschlägt. Genauso fasziniert sind wir auch vom Hwange Nationalpark an der Grenze zu Botswana. Zeitlich fällt unser Besuch mit unseren Geburtstagen zusammen. Wir feiern an den Wasserlöchern mit trinkfreudigen Gratulanten: 1000e Elefanten, 100e Büffel, unzählige Antilopen, viele Löwen und unserem ersten Leoparden! Ich bin so glücklich!!

Den letzten Abend in Zimbabwe verbringen wir in Victoria Falls, einer Touristenhochburg am Sambesi. Es ist so anders als im Rest des Landes, es wimmelt von Urlaubern, es gibt viele internationale Restaurants, alles ist erhältlich, wenn auch nicht günstig. Souvenirverkäufer an jeder Straßenecke, die keine Gelegenheit verpassen, ihre Waren an den Mann zu bringen. Wir denken an unseren ersten Abend in Zimbabwe. Wir nächtigen neben einer Piste, ein Auto fährt auf uns zu. Drei Männer steigen aus, kommen näher. Wir sind gespannt. Doch die Männer lächeln. Sie freuen sich, uns zu sehen. Freuen sich, dass wieder Weiße im Land sind. „Please come back!“, flehen sie uns regelrecht an, denn als die weißen Farmer noch in Zimbabwe waren, ging es ihnen viel besser.

Eines wissen wir jetzt schon, wir werden wieder kommen. We love Zimbabwe! 

Im Paradies der Tiere

Eigentlich verdanken wir einer Familie aus Düsseldorf, dass wir nach Botswana gereist sind. Philip, Sarah und ihr kleiner Sohn Sander sind unsere Nachbarn am Campingplatz in Matamata (Kgalagadi Transfrontier Park). Sie haben in diesem Nationalpark auf botswanischer Seite vier Nächte gebucht, können aber nur zwei nutzen. Ob wir anstatt ihnen vielleicht…? Klar!! Normalerweise muss man diese Camps ein Jahr im Voraus buchen. Danke nochmals, ihr Lieben!

180 km Piste sind es von Nossob nach Mabuasehube (ich habe lange gebraucht, diesen Namen korrekt aussprechen zu können), ein langer Tag, 9 ½ Stunden Fahrtzeit. Eine Salzpfanne auf der Strecke mit vielen Tieren und schließlich unser Camp mit Blick auf eine weitere Salzpfanne. Erledigt sitzen wir am Dach unseres Lkw, genießen den Sonnenuntergang und die kühlen Getränke. Und dann plötzlich Löwengebrüll. Es kommt näher. Es ist stockfinster, das Gebrüll wird immer lauter und lauter. Wir fragen uns, ob der Löwe auf uns unser Dach springen kann bzw. will. Schließlich schmeiße ich die Nerven weg, verschütte meinen Wein und bin ganz schnell im Inneren von August. Heute müssen wir über unsere Reaktion lachen…

Die erste Nacht ist bezeichnend für unseren Aufenthalt in diesem Nationalpark: Löwen, Löwen und noch mehr Löwen! Zwar sind wir nicht immer im besten Camp, aber wir hören die Tiere so laut, dass unser Herz vibriert. Am Morgen blicken wir aus dem Fenster und es liegt ein Prachtexemplar von einem schwarzbemähnten Kalaharilöwen davor. Wir schauen mit dem Fernglas ins benachbarte Camp und sehen, dass eine Löwenfamilie schnurstracks zu den Wohnmobilen marschiert und die Camper sie (noch) nicht bemerken. Es ist wirklich aufregend!

Aufregend sind aber auch die Pisten. Im nordwestlichen Teil werden sie immer enger, sind kaum befahren, erfordern höchste Konzentration. Und trotzdem passiert es: August hat einen Platten! Mitten im Löwengebiet, kurz vor Sonnenuntergang. Peter tauscht den kaputten Reifen gegen den Reservereifen, ich halte nach Großkatzen Ausschau, mache regelmäßig Lärm und auch Fotos. Wir nächtigen auf der Piste, es ist ohnehin niemand außer uns unterwegs. Abgesehen von dem Reifenschaden, wird unser Lkw von den vielen Dornen malträtiert. Kratzer ohne Ende! Die Fenster sind mittlerweile blickdicht geworden.

Schneller als erwartet sind wir in Maun, der Safari-Hauptstadt schlechthin von Botswana. Gerade rechtzeitig, um Verena und Wolfi zu treffen. Doch zuvor muss ich noch zum Zahnarzt, wie befürchtet muss ich mich einer Wurzelbehandlung unterziehen. Die Ärzte aus Zimbabwe und Botswana leisten gute Arbeit, ich bin schmerz- und nach einer Woche wieder vogelfrei. Die Versorgung in Maun ist hervorragend, wir lassen unseren Reifen flicken, Gasflaschen füllen, kaufen noch Bergegurte und Werkzeuge und zudem viele Lebensmittel und ein paar Wein- und Bierflaschen. Jetzt sind wir bereit für das Okavangodelta.

Obwohl wir uns nur vage mit Verena und Wolfi verabredet haben, treffen wir uns. Wir finden einen tollen Nächtigungsplatz direkt am Khwai-Fluss. Auf dem Weg dorthin sehen wir Zebras, Impalas, Gnus, Elefanten und Büffel! Als wir am Dach unseres Fahrzeuges sitzen und einen Sundowner genießen, hören wir Flusspferde und Löwen. Durch den Feldstecher sehen wir in der Ferne etwas glitzern, wir interpretieren es als Dach einer Behausung. Die Nacht bricht herein, es raschelt im Busch. Wir sind umzingelt von einer Elefantenherde! Wir können sie zwar nicht sehen, aber hören und riechen. Das vermeintliche glitzernde Blechdach stellt sich am nächsten Tag als Fahrzeug von Verena und Wolfi heraus! Zwei  Wochen lang bleiben wir in dieser Region, einem Paradies für Tiere. Ohne Zäune, ohne Wilderei. Großkatzen hören wir nur, Flusspferde und Elefanten sehen wir viele, sehr viele. Kein Wunder, denn die Elefantenpopulation in Botswana ist enorm! Immer wieder gibt es Konflikte mit Bauern, deren Felder die Dickhäuter plündern und verwüsten.

Wir sind einfach nur begeistert von den Tieren. Beim Frühstück an einem kleinen Wasserloch horchen wir auf. Neben uns im Wald vernehmen wir ein Knacken. Zwei Elefantenbullen reißen Bäume nieder als wären es Zahnstocher. Es raschelt im Gebüsch. Eine Elefantenherde kommt zum Wasserloch, trinkt kurz und zieht weiter. Und schon kommt die nächste, mit viel Nachwuchs. Und danach erscheint eine weitere! Wir zählen mehr als 60 Elefanten! Und das alles vor dem Frühstück. Noch eine kurze Elefantengeschichte: Peter muss pinkeln, schaut sich um und entfernt sich keine 15 m von unserem Lkw. Soweit, so gut. Als er kurz darauf erleichtert aufschaut, blickt er einem Elefantenbullen in die Augen. Es ist so unglaublich! Trotz ihrer Größe und einem Gewicht von mehr als 5 t marschieren sie geräuschlos durch den Busch!

Stichwort Marschieren. Genau das wünsche ich mir sehnlichst. Seit wir in den Nationalparks unterwegs sind, leide ich unter massivem Bewegungsmangel. In den südafrikanischen Nationalparks darf man das Fahrzeug nicht verlassen, in Botswana schon, nur sollte man sich nicht sehr weit vom Lkw entfernen. Unser Radius ist sehr eingeschränkt. Meine Gymnastikeinheiten verlege ich aufs Dach vom August, eingebettet zwischen den Solarpanelen habe ich gerade genug Platz. In Maun angekommen, nutze ich jede Gelegenheit für Bewegung: Zum Einkaufen, vor dem Frühstück spazieren, Gymnastik auf der Wiese (keine Dornen!) und zu Verenas Geburtstag:  Wir tanzen bis in den Morgen und verdauen dadurch die Pizza und Mopaneraupen besser.

Vor 14 Jahren haben wir in Maun Colin kennengelernt. Als wir ihn jetzt wieder treffen, kommt es uns vor als sei es gestern gewesen. Er hat sich nicht verändert und kann sich noch gut an uns erinnern. Uns verbindet die Liebe zu Oldtimern, speziell Mercedes Rundhauber. Colin ist Safariunternehmer und hat eine wunderschöne Flotte. Seit zwei Jahren hat er endlich wieder Touristen und findet trotzdem genug Zeit, uns zum Grillen einzuladen. Und das Beste ist: Colin findet genau den Ersatzteil in seinem riesigen Sammelsurium, den wir brauchen: Die Welle vom Verteilergetriebe! Er hätte sie weggeschmissen, wir bekommen sie nun gratis!! Wir durchlöchern ihn mit Fragen, besonders zu den großen Salzpfannen, die wir befahren wollen. Aber ganz gleich, wen wir auch fragen, keiner war mit schweren Lastwagen dort unterwegs. Wir entscheiden uns deshalb für die sicherste Variante, bei der wir die Salzpfannen nur streifen. Immerhin sind wir zwei Lkw und können uns gegebenenfalls helfen. Ohne Probleme erreichen wir Kubu Island, das am Rande der Sowa Pan liegt. Es sind Felshügel mit vielen Baobab- und afrikanischen Kastanienbäumen, die sich aus der endlosen Ebene erheben. Sehr bizarr, sehr skurril. Irgendwie magisch und mystisch. Ich finde den Ort faszinierend und wunderschön.

Botswana ist für uns das Land mit unglaublich schönen Buschcamps, vielen Wildtieren und sehr entspannten, diskreten und netten Menschen. Auf eine Fläche größer als Frankreich kommen nur etwa 2,2 Mio. Menschen. 100.000 wohnen in Francistown, der zweitgrößten Stadt des Landes, die unser letzter Stopp in Botswana wird. Auch hier fühlen wir uns wohl, genießen die Gastfreundschaft von Anders, einem Norweger, der hier ein Bauunternehmen besitzt. Die Stadt selbst bietet neben modernen Einkaufszentren auch bunte Märkte und Garküchen neben der Straße. Endlich sind wir in Afrika angekommen!

Südafrika 2022

Eigentlich mögen wir Städte nicht so gern, schon gar nicht afrikanische, aber Port Elizabeth lässt uns irgendwie nicht los. August ist heil angekommen, jetzt heißt es einkaufen, denn wir mussten unseren Lkw ohne Lebensmittel, Reinigungsmittel, Medikamente, brennbare Stoffe bzw. Gefahrengüter (Öle, Schmiermittel, Lacke, Kleber, Bremsenreiniger etc.) verschiffen. Mittlerweile kennen wir alle Outdoor- und Campinggeschäfte, Bau- und Supermärkte in P.E. Unglaublich, was man alles braucht bzw. neu kaufen muss! Unmengen wandern ins Innere unseres Fahrzeuges, die Kreditkarten glühen! Zum Verstauen haben wir keine Zeit, denn wir sind gleich mal zum Braii (Grillerei) eingeladen und am folgenden Tag auch und danach schon wieder. Die Südafrikaner sind extrem gastfreundlich, interessiert an unserer Reise und lieben es, Berge von Fleisch auf den Grill zu werfen.

Bevor wir beginnen Wurzeln zu schlagen, fahren wir in den Addo Nationalpark – zu meinen Lieblingstieren: den Elefanten. Ganz aufgeregt sind wir, als wir die ersten Elefanten im dichten Busch sichten, mein Herz schlägt höher, ich grinse von einem Ohr zum anderen. In den folgenden Tagen sehen wir die Dickhäuter nicht nur versteckt im Busch, sondern einfach überall: Bei den Wasserlöchern, auf der Piste und ganz knapp neben uns.

Eine Woche sind wir erst mit August unterwegs und schon die erste Panne! Das gibt es doch nicht. Die Schaltwelle vom Verteilergetriebe ist so verbogen, dass unser Lkw keinen Allradantrieb mehr hat. 

Noch einmal geht es zurück nach Port Elizabeth, die (vorläufig) letzten Einkäufe stehen bevor. Lust haben wir keine mehr, aber es muss sein. Im Baumarkt lernen wir Chris kennen und schon wird aus dem beabsichtigten eintägigen Aufenthalt in der Stadt eine halbe Woche. Wir nehmen uns Zeit und verstauen alle Einkäufe und erledigen die Arbeiten, die in Österreich liegen geblieben sind.

Jetzt aber! Endlich los! Über Cape St. Francis, wo wir im kühlen Meer planschen, und das Baavianskloof-Naturreservat (traumhafte Schluchten) geht’s in die Karoo, eine semiaride Landschaft, wo die Temperaturen nochmals ordentlich empor klettern. Wir bleiben im Landesinneren, die Vegetation wird üppiger je weiter wir nach Westen kommen, die ersten Obstplantagen und Weingärten tauchen auf. Wir naschen die letzten Pfirsiche und Weintrauben und die ersten Äpfel und Birnen der Saison.

Mitte März haben wir einen Termin, wir sind mit Verena und Wolfi, unseren österreichischen Freunden verabredet. Treffpunkt ist das Boschendal Weingut, eines der exquisitesten Südafrikas. Keine schlechte Wahl! Zu unserer Überraschung treffen wir dort auch Franz und Manuela aus Österreich, die von Namibia eingereist sind. Yvonne und René aus Deutschland, die wir in P.E. kennengelernt haben, stoßen auch noch dazu. Was für ein Fest!

Die darauffolgende Woche steht ganz im Zeichen von Bewegung und Genuss: Mit dem Fahrrad erkunden wir die Weingüter rund um Paarl, manchmal schaffen wir sogar drei am Tag!

Auf der Kap Halbinsel tauschen wir das Rad gegen die Wanderschuhe, rauf auf den Tafelberg und runter zum Kap der Guten Hoffnung. Und schon ist wieder eine Woche vorbei. Nachdem die Schuhe nun gut eingegangen sind, fahren wir gleich weiter in die Cederberge. Es gefällt uns auf Anhieb hier, aber auch vielen Südafrikanern, die gerade Osterferien haben. Die Berge sind für alle da, aber die längeren oder anspruchsvolleren Touren sind ohnehin nicht überlaufen. Schließlich landen wir auf der Jamaka-Farm. Der Campingplatz erstreckt sich über 2 km am Fluss mit vielen Bäumen, aufgestauten Becken und Wanderwegen. Eine richtige Oase und zudem ist gerade Mangoernte! Kiloweise futtern wir die Biofrüchte und nehmen noch getrocknete mit! Jeder Aufenthalt auf Campingplätzen bedeutet aber auch Arbeit für uns: Wäsche waschen, Reinigungsarbeiten, Brot backen, Computerarbeit, Service- und Reparaturarbeiten. Es geht wieder um die Schaltwelle. Peter hat sie gerade gebogen, doch leider geht sie beim Einbau zu Bruch. Sehr ungünstig! Denn schweißen kann man dieses Material nicht und Ersatz gibt es nur in Deutschland oder in unserer Werkstatt zu Hause. Peter findet eine Lösung – ein Provisorium: Wir können nun manuell in den Allrad schalten, dazu müssen wir uns allerdings unter unser Fahrzeug legen. Immerhin!

Nach dem Idyll der Cederberge holt uns die Realität vor der nächsten Stadt wieder ein: Townships, Müll, Menschen ohne Perspektiven und mit Alkoholproblemen. Diese Gegensätze! Damit kann ich immer noch schwer umgehen.

In 3 Wochen läuft unser Visum ab, ich möchte noch gerne in den Kgalagadi Transfrontier Park und dann nach Namibia ausreisen. Peter gibt nach. Endlos lange Weidezäunen begleiten uns durch die flache Provinz Northern Cape bis nach Upington und weiter zum Nationalpark. Obwohl Hauptsaison ist und wir keine Reservierungen haben, bekommen wir dennoch freie Plätze auf den Campingplätzen. Die nächsten 1 1/2 Wochen sind anstrengend. Der Wecker läutet jeden Morgen um 5:30 Uhr, wir sind so ziemlich die ersten im Park und die letzten, die wieder ins Camp kommen. Unsere Augen schmerzen vom Ausschau halten, aber es lohnt sich. Wir beobachten Erdhörnchen, Oryx- und Kuhantilopen, Gnus, Giraffen, Springböcke und Fuchsmangusten. Bei jeder noch so kleinen Bewegung bleiben wir stehen, lauschen, halten den Atem an, strengen unsere Augen an. Wir sehen ein Eulenpaar im Baum und dann Löwen und Geparden! Wie aufregend!!

Wie so oft ändern wir unsere Pläne. Anstatt nach Namibia zu reisen, beschließen wir kurzerhand nach Botswana zu fahren, so können wir noch länger im Kgalagadi Transfrontier Park bleiben.

Worauf warten wir noch?

23. November. Was sagt mir dieses Datum? Vor genau 10 Jahren sind wir nach Asien aufgebrochen. Und jetzt? Sitzen wir gemütlich vor dem Ofen, das Feuer knistert, es ist angenehm warm, der Bauch voll. Mit einem Glas Wein beenden wir den Tag, der feucht, grau und kalt war. Wir hängen unseren Gedanken nach, und die ziehen weite Kreise. Was machen wir noch hier? Worauf warten wir eigentlich noch? 2022 wollen wir wieder für länger verreisen. Was hindert uns daran, es nicht schon früher zu tun? NICHTS!

Als ich ein paar Tage später meine Mutter besuche, sage ich ihr, dass ich zwei Nachrichten habe, eine gute und eine schlechte. „Welche möchtest du zuerst hören?“, frage ich. Sie schaut mich nur mit großen Augen an. „Also, zuerst die Gute: Wir sind zu Weihnachten zu Hause. Danach werden wir allerdings nach Afrika reisen, August wird nach Südafrika schwimmen, wir fliegen. Viele Leute halten uns nun endgültig für verrückt. Ausgerechnet nun nach Südafrika reisen! Dorthin, wo Omikron seinen Ursprung hat. Wir finden, dass es eine gute Entscheidung ist.

MUT STEHT AM ANFANG DES HANDELNS. GLÜCK AM ENDE.

Am 29. Dezember müssen wir August in Bremerhaven abgeben, am 30. Januar soll er in Port Elizabeth sein. Wir sind aufgeregt, haben wir unseren Oldtimer doch noch nie alleine auf die Reise geschickt. Die Anlieferung klappt trotz des Corona-Wahns, doch das Schiff wird erst später auslaufen. Egal, Hauptsache es fährt. Wieder zu Hause fällt uns ein, dass wir das Wasser aus dem Boiler nicht abgelassen haben. Auweh! Hoffentlich erfasst den Norden Deutschlands nicht erneut eine Kältewelle. Unser morgendliches Ritual sieht folgendermaßen aus: Einheizen, Kaffee kochen, vor dem Ofen sitzend das Wetter in Bremerhaven verfolgen. Wir haben Glück: Es ist mild! In den kommenden Wochen ändert sich unser Ritual nur insofern, dass wir den Wetterbericht von Port Elizabeth lesen und das Schiff tracken, auf dem unser Lkw ist.

Zwei Monate nach unserer Entscheidung landen wir in Südafrika. Während der Wartezeit mieten wir uns ein Auto und fühlen uns irgendwie komisch. Ohne August und so plötzlich auf einem anderen Kontinent ausgespuckt zu werden. Das Schiff soll an einem Freitag ankommen, bis August ausgeladen ist, wird das Zollbüro schon geschlossen sein, erklärt uns unsere Agentin. Also müssen wir bis Montag warten und demnach Lagergebühren bezahlen. Willkommen in Afrika!!

Alles wie neu

Nachdem wir fast 10 Jahre im August gelebt haben, ist es an der Zeit, den Wohnbereich zu renovierten. Die Farbe in der Dusche blättert schon ab, die Wände sind mehr grau als weiß, der Boden unansehnlich, einige Holzplatten vermodert und der Gasherd durchgerostet. Bis auf die Schlafbox, die Dusche und einige Küchenschränke demontierten wir alles. Oft sind wir überrascht, was wir alles entdecken. Abgesehen von viel Dreck und Staub auch ein paar Ohrringe, Euromünzen, Haare unseres Hundes, der 2009 das letzte Mal im Fahrzeug war und einen Kabelsalat vom Feinsten (ein Wunder, dass August nie abgebrannt ist!).

Endlich reißen wir das Riffelblech von der Küchenwand, das absolut keinen Zweck hatte, außer zusätzlichem Gewicht und der Tatsache, dass man es überhaupt nicht reinigen konnte. Manchmal haben wir eben so „tolle“ Ideen. Da das Blech angenietet und geklebt ist, dauert dieser Vorgang etwas länger und über Peters Lippen kommen so manche nicht ganz jugendfreie Wörter. Als nächstes entledigen wir uns des Dunstabzuges, an den ich mich in all den Jahren nie gewöhnen konnte. Unzählige Male habe ich mir daran den Kopf gestoßen und verwendet habe ich ihn kaum, denn er war einfach zu laut.

Eigentlich dachten wir immer, wir seien entscheidungsfreudig. Unser Aufbau hat nur auf der rechten Seite Fenster, wir hielten das damals für klug. Erstens ist das einbruchssicherer und zweitens sieht man nicht, dass es sich um ein Wohnmobil handelt, wenn wir mit der Fensterseite nahe einer Mauer oder eines Gebäudes parken. Seit geschätzten 7 Jahren überlegen wir nun, ob wir nicht doch ein Fenster auf der linken Seite haben wollen. Im Juli 2021 ist es soweit und ich kann euch sagen, dass dies die beste Entscheidung war. Welcher Teufel hat uns geritten, so lange damit zu warten? Im Nachhinein können wir nur die Köpfe schütteln.

So, jetzt noch schnell den PVC-Boden entfernen, dann können wir schon ausmalen. Voll motiviert gehen wir an die Arbeit. Es sind ja nur ca. 6 m², das haben wir gleich! 2 Tage später knien wir immer noch schwitzend bei 35 °C im Aufbau und versuchen mittlerweile mit Stemmeisen die Boden- und Kleberreste zu entfernen. Wer ist nur auf die Idee gekommen, den PVC-Belag vollflächig zu verkleben?? Bevor ich ausmalen kann, muss Peter noch unzählige Löcher verkitten und mir kommt die ehrenvolle Aufgabe zu, die Wände zu schleifen – eine absolute Drecksarbeit! Während Peter sich um die Elektrik kümmert und nun alle Kabel ordentlich in Kanälen verlegt, den NOT-AUS-Schalter so montiert, dass man ihn auch sofort erreicht, schleife und streiche ich die Holzregale, Schrankfronten und den Tisch.

Die Arbeiten ziehen sich in die Länge. Ende August fahren wir auf das Globetrotter Rodeo nach Limberg, bereits mit neuem Fenster, neuem Boden und frisch ausgemalten Wänden. In der Küche steht immerhin die Kühlbox. Ende Oktober besuchen wir das El Mundo Festival, die Möbel sind montiert, der neue Gasherd installiert, aber noch nichts eingeräumt. Im Dezember mieten wir uns in einer beheizbaren Halle ein. Wir räumen die gesamte Fahrerkabine aus, nehmen die Windschutzscheibe heraus (bald hätten wir sie ohnehin verloren), biegen den Fensterrahmen zurecht, schleifen, streichen und bauen die Scheibe wieder ein. Die Felgen werden innen gereinigt, Peter belegt die Bremsen auf der Hinterachse neu und beseitigt Rostschäden an der Fahrerkabine. Und voilà, Mitte Dezember sind wir fertig. Jetzt kann es losgehen!